ASD Fachtag in Kiel – Dokumentation

09.06.2017 Keine Kommentare

„ASD-Handlungsautonomie, ein Auslaufmodell?“
Werden die professionellen Handlungsspielräume im ASD durch Vorschriften und Standardisierung von Verfahrensabläufen unangemessen eingeschränkt? Kommt die Fachlichkeit des ASD unter die Räder?“, das waren Kernfragen der Tagung an der ca. 200 Fach- und Leitungskräfte sowie Studierende unterschiedlicher Hochschulen aus den norddeutschen Bundesländern teilnahmen und angeregt diskutierten.

Bereits in der Begrüßung verwies Prof. Dr. Ingrid Gissel-Palkovich von der Fachhochschule Kiel darauf, dass Handlungsautonomie eine Grundvoraussetzung für professionelles Handeln ist und die Frage der Notwendigkeit und Grenzen von Verregelungen und Standardisierungen im ASD somit eine existenzielle Frage moderner Sozialer Arbeit darstellt.

Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld beleuchtete den Verlust von Handlungsautonomie. Er konstatiert u.a. das Erfordernis der Qualifizierung von ASD-Arbeit durch Konzepte professionellen Fallverstehens statt standardisierter Diagnoseverfahren. Professionalität setze auf Vertrauen und standardisierte Instrumente seien Instrumente des Misstrauens.

Frau Christine Gerber vom Deutschen Jugendinstitut in München beleuchtete das Thema im Kontext des Kinderschutzes. Auf der Grundlage exemplarischer Forschungsergebnisse aus der Untersuchung von fünf Kinderschutzverläufen zeigte sie die Notwendigkeit von Handlungs- und Entscheidungsspielräume im ASD auf, aber auch den Wunsch nach Handlungssicherheit seitens der Fach- und Leitungskräfte. Es benötige einen offenen Umgang mit Fehlern und einen professionellen Umgang mit Unsicherheit. Die untersuchten Fallverläufe zeigten bspw., dass die mit Instrumenten erhobenen und standardisiert dokumentierten Risikofaktoren die fachlich kompetente Bewertung im Einzelfall nicht ersetzen.

In der darauf folgenden Podiumsdiskussion standen die Erfahrungen der Praxis aus der Perspektive verschiedener Funktionsebenen (ASD-Fachkraft, Jugendamtsleitung, Landesjugendamt) im Mittelpunkt und wurden angeregt auf dem Podium und mit dem Plenum diskutiert.

Am Nachmittag stellte Frau Tina Wiesner vom Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das Modellprojekt der Stadt Bremen „Erziehungshilfe, Soziale Prävention und Quartiersentwicklung“ vor und beleuchtete, inwieweit das sozialräumlich ausgerichtete „Bremer-Modell“ eine Rückgewinnung von Handlungsautonomie und Professionalität bewirken kann.

Die Tagung endete mit einem „Blitzlicht“ von Prof. em. Dr. Manfred Neuffer. Anselm Brößkamp, der die Gesamttagung moderierte, stellte in seinen Abschlussworten eine Fortsetzung der Tagung in Aussicht.

Statt eines Fazits, exemplarisch die Stimme eines Teilnehmers: „Super Tagung, tolle Vorträge und Diskussionen, klasse Dramaturgie….“.

Sie haben hier die Möglichkeit die Vorträge von Tina Wiesner und Christine Gerber herunterzuladen. Der Vortrag von Prof. Ziegler wird demnächst online gestellt.

Vortrag von Frau Gerber

Vortrag von Frau Wiesner

Vortrag von Herrn Prof. Dr. Ziegler


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